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Meine „AD(H)S“-Story

Meine „AD(H)S“-Geschichte:

Weder habe ich ein Medizin-, Psychologie- oder gar Pharmaziestudium absolviert noch das der Neurobiologie.

Statt dessen:  Reichlich Erfahrungen als Vater, als Trainer von Hunderten junger Menschen über mehrere Jahrzehnte – nicht zuletzt eben mit mir selbst…

Was ich behaupten kann: Ich recherchiere gerne und wohl ganz gut – und habe einen triebhaften Zwang, Bücher zu „allen möglichen Themen“ zu kaufen – und zu lesen…

Die folgenden Berichte dienen also weit weniger der Selbstbeweihräucherung – auch wenn es einige „ganz nette“ Episoden gibt – als vielmehr der Information über meine persönliche Betroffenheit und einen langjährigen – auch theoretisch fundierten – Erfahrungsschatz.

Zunächst zwei Schlüsselszenen im Jahr 1999:

Szene 1,:
Ich sitze an einem Sommertag mit meiner damaligen Ehefrau im Dachgeschoss um ihr zu berichten, „was unser Sohn hat“, was ich heraus gefunden hatte,: „AD(H)S“! Und lese die Liste der Symptome vor. Darauf sie: „Hast Du da auch mal an Dich gedacht ?…“

Szene 2:

Seminar im Deutschen Museum, München – mit Dawna Markova, U.S.-amerikanische Wahrnehmungs- und Lernpsychologin der Weltklasse. Teilnehmer ca. 30 Berater, Trainer, Lehrkräfte… Thema: (eigentlich) NLP für Erwachsene – doch plötzlich kommt das Thema „ADD“ aus der Gruppe auf und sie ruft wild gestikulierend „No Ritalin!“ – das war der Startschuss für eine langjährige Forschung und vielfältigste Erfahrungen.

Doch von Anfang an:

  • Wir hatten unsere beiden älteren Kinder einem klassischen IQ-Test bei einem Münchner Experten unterzogen und waren über die Ergebnisse – IQ 126 und 130 – natürlich sehr erfreut.
  • Ich schloss mich dem Verein Hochbegabtenförderung e.V. in Bochum an, um mehr in die Thematik einzutauchen.
  • Damals im Bayrischen Wald lebend, ist dann die Idee geboren (und umgesetzt worden) FerienCamps für diese Kinder anzubieten – ohne PC, mit viel Bewegung, Spiel, Kampfkunst, Naturkontakt – mit sehr spannenden Erfahrungen über die ganz unterschiedlichen Ausprägungen von – mehr oder weniger offensichtlicher – Hochbegabung; viele interessante Elterndialoge. 
  • Nun ergab es sich bald, dass der Sohnemann in Mathe auf 5 stand – mit Tendenz zum versetzungsverhindernden Ungenügend; in Mathe!, wo doch der IQ zumindest für genau diesen logisch-mathematischen Bereich durchaus aussagekräftig ist… Ratlosigkeit!
  • Die Fachlehrerin empfahl dann in ihrer ganzen Weisheit, „er müsse sich einfach mehr konzentrieren!“. Diesen Rat gaben wir vehement weiter – aber irgendwie ohne Erfolg … Hilflosigkeit!
  • Der zuständige Schulpsychiater diagnostizierte dann eben „dieses AD(H)S“ und empfahl eine „medikamentöse  Begleitung“ im Rahmen einer „multimodalen Therapie“… Das letztere klang sympathisch, beim ersteren meldete sich unser beider grundlegende Skepsis gegenüber „Pharmazeutika“ und „Psychopharmaka“ – jedoch: Der Psychiater war so smart und überzeugend, dass wir einwilligten… und die erste Pille gaben (Ich nahm aus Neugierde und Solidarität auch eine  …)
  • Und – magischerweise: Genau in dieser Zeit, es muss dieselbe oder folgende Woche gewesen sein, begegnete ich Dawna Markova (s.o.) und warf nach meiner Rückkehr die „kleinen bunten Helferlein“ ins Klo.
  • Es folgte eine damals noch etwas holprige Internet-Recherche über das Thema, u.a. fand ich den Beipackzettel  zum Medikament in den U.S.A., der um ein Vielfaches länger als der unsrige war – bekanntlich aus Haftungsgründen.
  • Auch ergatterte ich u.a. das Buch „ADD – eine andere Art, die Welt zu sehen“ von Thom Hartmann – und alles wurde immer spannender. Seine Botschaft in Kürze: „ADHS“-Typen sind „Jäger und Sammler“, die eine andere Wahrnehmung und es in der langsamen Welt der (bedächtigen) „Farmer“ einfach oft sehr schwer haben…
  • By the way: Nach einer gewissen Entspannung, vielleicht der einen oder anderen Intervention und einem (nicht ganz fairen) Psychotrick gegenüber der Mathe-Lehrerin erreichte „der Kandidat“ dann doch das Klassenziel, meisterte die Reifeprüfung wie auch das Studium mit Promotion ohne Schnörkel – und ist jetzt als Gymnasiallehrer in München engagiert und anerkannt – zudem fürsorglicher Vater…

(Zu einem späteren Zeitpunkt erzähle ich, wie ich – ebenso im Familienkreis mit dem Phänomen „Begabte Minderleister“ in Berührung und zu krassen Erkenntnissen gekommen bin…)

Da es ja auch meine ganz persönliche Geschichte sein sollte, gehe ich noch weiter zurück:

  • In der Grundschule einen „guten Anfang“ gemacht – mit Erfolgserlebnissen im Völkerball.
  • Das Gymnasium ohne grosse Freuden, aber auch ohne besondere Schmerzen und Schäden durchlaufen – eher mittelmässiges Abitur, aber immerhin Devise: Clever durchgemogelt! Eher selten einen „geraden“ Satz heraus gebracht – unfähig, die Gedankenflut verbal zu kanalisieren, panische Angst, „dran zu kommen“ usw. -. Wenige Erfolgserlebnisse, etwa in Latein – viele dagegen im Sport (außer im Schwimmen) und Spiel (alles mit Ball und Schach!) … beachtliche Meisterschaft entwickelt im Tischfussball, Flipper und Billard. – dank nicht weniger „Freistunden“. 
  • Als Zeitsoldat Ausbilder und mit pädagogischen Fragen beschäftigt …
  • Parallel zum – eher abwegigen Erststudium – ein extrem engagiertes Engagement als Handballtrainer mit höchster Lizenzstufe und einigen – durchaus relativ spektakulären – Erfolgserlebnissen, sehr Dank des genialen Mentors und „Magiers“ Vlado Stenzel…
  • 1987-89 als einer der ersten Handballtrainer in Deutschland das Studium zum Diplomtrainer an der Trainerakademie in Köln (für Spitzensport und Talentförderung) absolviert – voll konzentriert!
  • 1990 eine ungeliebte Beamtenlaufbahn beendet zu Gunsten einer verlockenden Karriere als freiberuflicher Coach – mit Themen wie Stress (schon damals!) und strategischem Selbstmanagement, Motivation, Teamcoaching – und immer wieder neuen Exkursen, vielen Seminaren, unzähligen Büchern; auch Begegnungen mit hochinteressanten Menschen wie Felix von Cube, Neil Postman, Wolfgang Mewes, Roland Spinola – sprich: immer auf der Jagd nach Neuem, Spannenden …
  • Zur Wahrheit gehört auch, dass finanzielle Stabilität ein Fremdwort war, zwischen einem Auftrag für 100.000 DM (!) bis hin zu hoher Verschuldung und einem langwierigen Insolvenzverfahren samt Trennung und Scheidung. 
  • Dieses Thema – „AD(H)S“ – hat mich also nie los gelassen, ist immer wieder unter unterschiedlichen Vorzeichen zurück gekehrt. 
  • Auch ein ehrenamtliches Engagement in einer Jugendmedienschutzinitiative war erkenntnisreich bezüglich der Frage, was „Bildschirme mit jungen Gehirnen und Seelen  so macht“; damals ging es um TV – das Internet war noch in den Kinderschuhen .. 
  • Mittlerweile umfasst meine Bibliothek allein zu diesem Themenkreis mehrere Meter – aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen – von der Lernpsychologie und Gehirnforschung über die Ernährungskunde bis hin zur Traditionellen Chinesischen Energielehre und auch Spieletheorie und -praxis. 
  • Dank dem umtriebigen und gönnerhaften Sportprofessor Klaus Roth aus Heidelberg wurde ich auf einen weiteren Erklärungsansatz aufmerksam: Jaak Panksepp erforschte, dass der Verlust an ursprünglichem Spielerlebnis Konzentrationsverluste verursacht und/oder verstärkt.
  • Dazu passen verschiedene Aktivitäten – etwa das Engagement als Teamcoach der Deutschen Schachjugend-Olympiamannschaft 2006-08 oder das Begleiten einer Handballklasse mit Realschüler*innen aus 17 Nationen und Kindern mit teilweise schwierigen bis traumatischen Erlebnissen.
  • Hilfreich waren hier neben der rein sportspezifischen Kompetenz die Philosophie und Praxis des (finnischen) Konzepts zur lösungsfokussierten Motivation von Kindern und Jugendlichen: Ich schaffs – oder vielfältige Übungen aus dem Motorik- und Mentaltraining „LifeKinetik“.
  • In Verbindung mit dem Gesamtwerk von Gerald Hüther und insbesondere seinem Buch „Rettet das Spiel!“ bündelten sich die verschiedenen Erkenntnisse und Erfahrungen zu einem Konzept – ich nenne es aktuell „Talent.Mut. Fokus“, das sich nun speziell an Jungs zwischen 6-13 Jahren wendet, die überdurchschnittliche Begabungen zeigen oder/und Konzentrations- und Lernstörungen…

FAZIT: 

Denn was für mich nach alledem nicht geht: Kinder, hier vor allem Jungs, die einfach mal leicht ablenkbar oder „sprunghaft“ sind, als „adhs-Gestörte“ zu etikettieren und mit „einfachen Mitteln“ zu besänftigen – nicht immer, aber sehr oft gehen so wertvolle Potentiale verloren … individuell desaströs, gesellschaftlich beschämend! 

Wenn so ein Phänomen wie „AD(H)S“ tatsächlich (auch) etwas zu tun hat mit der Eigenschaft von „Jägern und Sammlern“ und damit Menschen betrifft wie Muhammad Ali oder Usain Bolt, Michael Jackson oder Mozart, Leonardo, Einstein, van Gogh, Hermann Hesse – die Liste ist lang und reicht bis zu Eckart von Hirschhausen oder Andreas Wolff… – wo stünde die (Welt-)Gesellschaft ohne diese „Typen“?

Also geht es mir darum, die erfolgshinderlichen und nicht selten destruktiven Wirkungen bestmöglich zu vermeiden, um  

die hier sehr oft inne wohnenden Stärken und Potentiale zu würdigen und zur Entfaltung zu bringen.

Dazu aus WIKIPEDIA:
Im Jahr 2019 veröffentlichte der britische Neurowissenschaftler Marco Catani ein Paper, in dem er (innerhalb eines kurzen Abschnitts) zur Diskussion stellt, ob der vor fünfhundert Jahren verstorbene Universalgelehrte Leonardo da Vinci an ADHS erkrankt gewesen sein könnte.Literaturgeschichtlichen Beobachtungen zufolge sei da Vinci von einer Lese- und Rechtschreibstörung betroffen gewesen, habe seine Vorhaben häufig nicht fertiggestellt und sei möglicherweise „rechtshemispärisch“ veranlagt gewesen. Seine technischen Konzepte und Ideen seien von Zeitgenossen nicht ernstgenommen worden, da sie als unrealistisch oder untauglich angesehen wurden. Dennoch wurde da Vinci im Zusammenhang mit seinen kreativen Leistungen zu einer historischen Ikone. Bei diesen Beobachtungen handle es sich um Charakteristika, die häufig in Zusammenhang mit ADHS zu beobachten seien.

In einem Newsletter, der vom King’s College London veröffentlicht wurde, drückte sich Catani folgendermaßen aus:[44]

  • „Es ist zwar eigentlich nicht möglich, jemandem, der vor 500 Jahren gelebt hat, eine Diagnose zu stellen, aber ich bin überzeugt, dass ADHS die wissenschaftlich plausibelste Erklärung darstellt, warum Leonardo Schwierigkeiten bei der Fertigstellung seiner Werke hatte.
  • „Die meisten Erwachsenen, die ich in meiner Klinik sehe, waren kluge, intuitive Kinder, entwickeln aber später im Leben Symptome von Angstzuständen und Depressionen, weil sie ihr Potenzial nicht ausgeschöpft haben.
  • „Ich hoffe, dass sein Fall zeigt, dass ADHS nicht mit einem niedrigen IQ oder mangelnder Kreativität zusammenhängt, sondern mit der Schwierigkeit, die eigenen Talente zu nutzen. Ich würde mich freuen, wenn Leonardos Vermächtnis uns dabei helfen könnte, das Stigma im Zusammenhang mit ADHS zu ändern.